Von den Anfängen bis heute

Die HDV gemeinnützige GmbH ist hervorgegangen aus dem Hessischen Diakonieverein e. V. Dieser wurde am 13. Juni 1906 auf Anregung der „Freien landeskirchlichen Vereinigung“ und Initiative des Pfarrers der Darmstädter Johannesgemeinde, Johannes Guyot, in Darmstadt gegründet. Die engen Kontakte zum Evangelischen Diakonieverein Berlin-Zehlendorf veranlassten die Gründer, nicht das Mutterhaussystem, sondern die Vereinsform zu wählen.

Ursprüngliches Ziel des Vereins war die Förderung der Gemeindediakonie in kleineren Dörfern. Bereits in den ersten drei Jahren wurden elf Gemeinden übernommen, im Laufe der Jahre waren die Diakonie-Schwestern in mehr als 100 Gemeinden in Hessen tätig. Die Schwesternschaft wuchs rasch und war bald auch für die Pflege in Krankenhäusern zuständig. Schließlich übernahm sie außerdem die pflegerische und die wirtschaftliche Leitung von Krankenhäusern sowie den Bau und Betrieb von Seniorenzentren. Trägergesellschaft dieser Zentren ist heute die 2006 gegründete HDV gemeinnützige GmbH, die sich 2010 dem gemeinnützigen christlichen Gesundheitskonzern AGAPLESION mit Sitz in Frankfurt am Main anschloss. 

Zum Zwecke der Förderung des öffentlichen Gesundheitswesens und der Altenpflege errichtete der Hessische Diakonieverein 2003 zudem eine Dachstiftung. Die „Förderstiftung Hessischer Diakonieverein“ unterstützt einerseits die Arbeit der HDV gemeinnützige GmbH, andererseits kann sie nicht rechtsfähige Stiftungen mitverwalten.

Johannes Guyot (1861-1910) mit seiner Frau
Kranken- und Gemeindepflege

Als Voraussetzung für eine verständnisvolle Zusammenarbeit mit Ärzten und Pfarreien betrachteten die Gründer des Hessischen Diakonievereins die qualifizierte und breit angelegte Krankenpflegeausbildung (inkl. Pädagogik, Psychologie, Seelsorge und allgemeine Bildung). Dafür schuf man ein Gemeindepflegeseminar, das 1927 in das Heimathaus der Schwestern verlegt und zur „Wohlfahrtsschule“ ausgestaltet wurde. Ihre praktische Ausbildung erhielten die Schülerinnen im Stadtkrankenhaus Darmstadt und im Freimaurerkrankenhaus Hamburg.

Die beiden Weltkriege, Inflation und Währungsreform brachten wirtschaftliche, die Zeit ab 1933 auch politische Nöte. Die „Wohlfahrtsschule“ musste 1942 schließen, konnte 1946 aber als „Seminar für soziale Berufsarbeit und evangelische Gemeindepflege“ neu gegründet werden. 1967 umbenannt in „Höhere Fachschule für Sozialarbeit“, ging daraus 1971 schließlich die „Evangelische Fachhochschule“ (heute: Evangelische Hochschule Darmstadt) hervor.

Diakonissenschwestern 1909 vor dem Stadtkrankenhaus Darmstadt
Chronik unserer Seniorenzentren

1974 wird in der Freiligrathstraße 8 in Darmstadt das erste Seniorenzentrum des Hessischen Diakonievereins eröffnet. Für den Neubau mit 201 Betten müssen das alte Pfarrhaus und das bisherige Heimathaus der Schwesternschaft weichen. Pfarrer Johannes Guyot hatte das Gebäude 1924 von einer Architektenfamilie gekauft. Von 1925 bis 1927 wurde es für eine Nutzung (bis 1971) als Wohnhaus der Schwesternschaft, Bildungs- und Tagungsstätte und für die Verwaltung des Diakonievereins ausgebaut. In Fortführung der Tradition wird dem Neubau 1974 wieder der Name Heimathaus gegeben.

Altes Heimathaus

1983 wird das ehemalige, 1880 errichtete Stadtkrankenhaus in der Kolpingstraße in Heppenheim zu einem Alten- und Pflegeheim umgestaltet und in den Jahren 2002 bis 2003 grundlegend renoviert und modernisiert. Als Träger der neuen Einrichtung gewinnt die Stadt den Hessischen Diakonieverein, Das Haus Johannes erhält noch zwei Neubauten: Im Februar 2005 eröffnet der erste Erweiterungsbau, im April 2007 ein weiterer Neubauflügel.

Stadtkrankenhaus Heppenheim

1990 übergibt der Evangelische Missionsfrauen-Verein in Worms das Sophienstift nebst dem Grundstück Römerstraße 18-22 in das Eigentum und die Trägerschaft des Hessischen Diakonievereins. Die Missionsfrauen unter Vorsitz von Freifrau Sophie von Heyl zu Hernsheim (1847 – 1915) hatten das in Teilen über 400 Jahre alte Gebäude seit 1903 als Diakonissen-Wohnhaus, als Unterkunft für durchreisende Frauen, als „Sonntagsheim“ für Hausangestellte, als Nähschule, Kindergarten, Schulhort, Krankenstation und zuletzt als Altersheim genutzt. Der Hessische Diakonieverein modernisiert den Altbau und errichtet auf dem hinzugekauften Nachbargrundstück, dem so genannten „Schuch’sche Gelände“, bis 2005 einen Erweiterungsbau.

Sophienstift

1998 wird das Dietrich Bonhoeffer Haus im Lampertheim als Alten- und Pflegeheim in Betrieb genommen. Es befindet sich auf dem Gelände des 1902 errichteten Evangelischen Krankenhauses, das mehrfach ausgebaut und erweitert wurde. 1984 begann die Zusammenarbeit mit dem Hessischen Diakonieverein, der zunächst den Weiterbestand des Krankenhauses sicherte. 1998 musste es dann doch aus wirtschaftlichen Gründen aufgegeben werden. Der Altbau wird daraufhin zum Pflegeheim umgestaltet und ist im Dezember 2000 bezugsfertig. Es folgt ein zweiter Bauabschnitt, der im März 2004 eröffnet wird.

Wie sich das „neue Seniorenzentrum“ 1998 selbst vorstellte, erfahren Sie hier ›

Ev. Krankenhaus Lampertheim

2002 übernimmt der Hessische Diakonieverein die Trägerschaft des Johannes Guyot Hauses in Fürth. Zuvor leiteteten es neun Jahre lang die Eheleute Rudolf und Ulrike Köhler unter dem Namen „Seniorenheim Köhler“. Das 1993 errichtete Gebäude ähnelt einem privaten Wohnhaus.

Seniorenheim Köhler

2009 verkauft der Evangelische Gemeinschaftsverband Hessen-Nassau seine Beteiligung an der Simeonstift GmbH in Hainburg. Die Gesellschaft hatte unter Federführung des Stifters und Frankfurter Kaufmanns Hermann Kaiser am Ortsrand von Klein-Krotzenburg dreißig Bungalows für Ruheständler errichtet und im Dezember 1964 eröffnete. Weitere Gebäude folgten, u. a. 1972 das Hermann-Kaiser-Haus, das 1991 zum Pflegehaus für eine vollstationäre Betreuung umgebaut wird. 2008 eröffnet das Graf-Zinzendorf-Haus, gleichzeitig werden die Bungalows abgerissen für einen Neubau des Simeonstifts, der im April 2012 eingeweiht wird. Dieses nimmt die Bewohner des Hermann-Kaiser-Hauses auf, das geschlossen werden muss.

Ausführliche Chronik ›

Simeonstift: Feierabendhaus, Therapiezentrum und Bungalows

2010 übernimmt die HDV gemeinnützige GmbH das Martin Luther Haus in Worms-Pfeddersheim. Das Pflegeheim ist die Nachfolgeeinrichtung des im Zweiten Weltkrieg zerstörten Sophienkrankenhauses, 1953 neu gegründet, kann sich diese kleinste Wormser Klinik jedoch nicht halten und man wendet sich ab 1960 der stationären Altenarbeit zu. Hierfür erwirbt der Verein „Gesundheitspflege in Besonderem an alten Menschen“ das 1896 erbaute großherzoglich-hessische Amtsgericht in Pfeddersheim und bezieht es nach notwendigen Umbaumaßnahmen. 1989 lässt der Trägerverein „Martin-Luther-Haus e.V.“ den Altbau sanieren und errichtet ein weiteres Gebäude.

Amtsgericht Pfeddersheim

2011 wird das Haus Bickenbach in Trägerschaft des HDV gemeinnützige GmbH eröffnet. Errichtet hat den hochmodernen Gebäudekomplex am westlichen Ortsrand der Gemeinde Bickenbach die regional ansässige Firmengruppe Dreher.

Haus Bickenbach (Oktober 2011)